Als die Jünglinge in
der Höhle Zuflucht fanden, sagten sie: "O unser
Herr! Gewähre uns Deine Barmherzigkeit und lenke unsere
Sache zum besten." (Sure al-Kahf: 10)
In der 18. Sure des Qurans namens "al-Kahf" (Höhle)
wird von Jugendlichen erzählt, die sich in eine Höhle flüchteten
um sich vor einem gottlosen Regime zu schützen, das gegen
Gläubige Druck und Grausamkeit ausübte. Die Quranverse lauten
folgendermaßen:
Glaubst du wohl, dass die Leute der Höhle
und der Inschrift ein Wunderzeichen waren?
Als die Jünglinge in der Höhle Zuflucht fanden,
sagten sie: "O unser Herr! Gewähre uns Deine Barmherzigkeit
und lenke unsere Sache zum Besten!"
Da verhüllten Wir ihre Ohren in der Höhle
für viele Jahre.
Dann weckten Wir sie auf, um wissen zu lassen,
wer von den beiden Parteien die Zeitdauer ihres Verweilens
am Besten zu erfassen vermochte.
Wir berichten dir ihre Geschichte wahrheitsgemäß.
Siehe, es waren Jünglinge, die an ihren Herrn glaubten.
Und Wir ließen ihnen Rechtleitung zukommen.
Und Wir stärkten ihre Herzen. Da erhoben
sie sich und sagten: "Unser Herr ist der Herr der Himmel
und der Erde. Niemals rufen wir außer Ihm einen (anderen)
Gott an. Wahrlich, wir würden sonst etwas Unsinniges von
uns geben.
Dieses Volk von uns hat sich andere Götter
neben Ihm erwählt, ohne dass sie dafür einen klaren Beweis
erbringen? Wer aber ist sündiger, als wer über Allah eine
Lüge erdichtet?
Und wenn ihr euch von ihnen und von dem,
was sie außer Allah anbeten, getrennt und in der Höhle Zuflucht
gesucht habt, wird euer Herr Seine Barmherzigkeit über euch
ausbreiten und euere Sache zum Besten leiten."
Und hättest du die Sonne beim Aufgang sich
von der Höhle nach rechts wegneigen und beim Untergang nach
links abbiegen sehen können, während sie sich in ihrem Inneren
befanden. Dies ist eines der Zeichen Allahs. Wen Allah leitet,
der ist rechtgeleitet; und wen Er irregehen lässt, für den
findest du weder Beschützer noch Führer.
Und du hättest sie für wach gehalten, obwohl
sie schliefen. Und wir drehten sie nach rechts und nach
links um. Und ihr Hund lag mit ausgestreckten Pfoten auf
der Schwelle. Wärst du auf sie gestoßen, wärst du vor ihnen
geflüchtet, mit Grausen vor ihnen erfüllt.
Und so weckten Wir sie auf, damit sie einander
befragten. So fragte einer von ihnen: "Wie lange seid
ihr nun hier geblieben?" Sie sprachen: "Wir blieben
einen Tag oder den Teil eines Tages." (Andere) sagten:
"Euer Herr weiß am besten, wie lange ihr hier gewesen
seid. Schickt also einen von euch mit diesen eueren Silbermünzen
zur Stadt, damit er schaut, wer die bekömmlichste Speise
hat und euch davon bringt. Er muss aber freundlich sein
und euch Niemanden verraten.
Denn wenn sie euch finden, steinigen sie
euch, zu ihrem Glauben zurückzukehren. Und dann würde es
euch nie mehr wohlergehen!"
Und Wir verrieten sie (ihnen) doch, damit
sie erkannten, dass Allahs Verheißung wahr und dass an der
Stunde kein Zweifel ist. Als sie nun untereinander über
sie stritten, sagten (einige): "Baut ein Gebäude zu
ihrem Gedächtnis. Ihr Herr weiß über sie am besten Bescheid."
Diejeniegen aber, welche in dem Streit den Sieg davon trugen,
sprachen: "Wir wollen zu ihrem Gedächtnis eine Moschee
errichten."
Manche werden sagen: "Sie waren drei,
und der vierte von ihnen war ihr Hund." Und (andere)
werden sagen: "Fünf, und der sechste war ihr Hund"-
ein Hin- und Herraten über das Unbekannte. Und einige werden
sagen: "Sieben, und der achte war ihr Hund." Sprich:
"Mein Herr kennt ihre Zahl: nur wenigen ist sie bekannt.
"Und äußere über sie im Meinungsstreit nur, was eindeutig
ist, und erkundige dich hierüber bei keinem
Und sage nie über etwas: "Ich werde
das bestimmt morgen tun", ohne hinzuzufügen: "So
Allah will!" Und erinnere dich deines Herrn, wenn du
es vergessen hast, und sprich: "Möge mein Herr mich
immer näher zum Rechten leiten."
Nun: Sie verweilten in ihrer Höhle dreihundert
Jahre und noch neun dazu.
Sprich: "Allah weiß genau, wie lange
sie verweilten. Er kennt das Geheimnis der Himmel und der
Erde. Er ist der Sehende und der Hörende. Außer Ihm haben
sie keinen Beschützer. Und er beteiligt niemand an Seiner
Befehlsgewalt. (Sure al-Kahf: 9-26)
Es wird vermutet, dass der grausame Herrscher, der die
Sieben-schläfer, die sowohl in christlichen, als auch in
islamischen Quellen gelobt werden, verfolgte, der römische
Kaiser Decius war. Die Jugendlichen, die Decius' Druck und
Grausamkeit ausgesetzt waren, hatten die Gesell-schaft,
in der sie lebten, mehrmals davor gewarnt, den Glauben an
Allah nicht zu verlieren. Sie hatten beschlossen, ihre Heimat
zu verlassen, da sich die Gesellschaft gegenüber ihrer Botschaft
gleichgültig verhielt, der Kaiser den Druck verstärkte und
ihnen den Tod androhte.
Auch historische Dokumente haben belegt, dass die Urchristen
von den verschiedensten römischen Kaisern auf das grausamste
unterdrückt wurden. In dem Brief, den der römische Gouverneur
Pilinius (69-113 n.Chr.) aus Nordwestanatolien an Kaiser
Trajan schrieb, ist die Rede von "den Anhängern Jesus
Christus die bestraft wurden, weil sie die Statue des Kaisers
nicht angebetet haben". Dieser Brief ist eines der
wichtigsten Dokumente, das uns über die damalige Christenverfolgung
Auskunft gibt. Die Jugendlichen, die in dieser Atmosphäre
dazu aufgefordert wurden, anstelle von Allah dem Kaiser
oder einem antireligiösen System Folge zu leisten, sahen
dies nicht ein und sagten:
... "Unser Herr ist der Herr der Himmel
und der Erde. Niemals rufen wir außer Ihm einen (anderen)
Gott an. Wahrlich wir würden sonst etwas Unsinniges von
uns geben.
Dieses Volk von uns hat sich andere Götter
neben Ihm erwählt, ohne dass sie dafür einen klaren Beweis
beibringen. Wer aber ist sündiger, als wer über Allah Falsches
ausheckt? (Sure al-Kahf: 14-15)
Über den Ort, an dem die Siebenschläfer gelebt
haben, gibt es verschiedene Auffassungen. Ephesus und Tarsus
kommen in Frage.
Fast alle christlichen Quellen sind der Meinung, dass die
Höhle der Jünger sich in Ephesus befindet. Auch einige Islamwissenschaftler
und Qurankommentatoren teilen diese Meinung. Andere versuchen
zu beweisen, dass sich die Höhle der Siebenschläfer in Tarsus
befand. Wir werden hier beiden Möglichkeiten nachgehen.
All diese Forscher und Kommen-tatoren stimmen darin überein,
dass sich die Geschichte in der Zeit des römischen Kaisers
Decius (oder Decianus), etwa 250 n.Chr. ereignet hat.
Decius und Nero sind die römischen Kaiser, die die Christen
am schlimmsten tyrannisiert haben. In der kurzen Periode,
in der Decius an der Macht war, hat er ein Gesetz erlassen,
das alle Untertanen verpflichtete, den römischen Göttern
zu opfern. Die Erfüllung dieser Opferpflicht als Götzendienst
musste schriftlich belegt und auf Verlangen den Staatsbeamten
vorgezeigt werden. Wer sich dem Gesetz nicht fügte, erwartete
die Todesstrafe. Die christlichen Quellen besagen, dass
ein erheblicher Teil der Christen diesen Götzendienst zu
vermeiden suchte, indem sie "von einer Stadt in die
andere" flüchteten oder sich an geheimen Zufluchtsorten
versteckten. Die Siebenschläfer sind höchstwahrscheinlich
eine rechtschaffene Gruppe unter diesen Christen.
Das Geschehnis ist von christlichen und muslimischen Historikern
und Kommentatoren im geschichtlichen Stil erzählt und infolge
zahlreicher erfundener und hinzugefügter Berichte in eine
Sage umgewandelt worden. Doch das Ereignis ist und bleibt
eine historische Tatsache.
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