Auch das Volk Lots nahm die Warnung
leicht. Da entsandten Wir einen Steinregen gegen sie.
Lots Haus aber erretteten Wir im Morgengrauen. Als
eine Gnade von Uns. So belohnen Wir die Dankbaren.
Er hatte sie bereits vor Unserer Strafe gewarnt; sie
aber schlugen die Warnung in den Wind. (Sure al-Qamar:
33-36)
Der Prophet Lot ist Zeitgenosse von Abraham. Lot wurde
zu einem Volk in der Nachbarregion von Abraham entsandt.
Dieses Volk, so der Quran, übte eine unerhörte Perversion
aus, die die Welt bis dahin nicht kannte; die Sodomie. Als
Lot sein Volk vor dieser Perversion warnte und die heiligen
Gebote Allahs offenbarte, leugnete es ihn, es kannte ihn
als Propheten nicht an und ging seinen perversen Gepflogenheiten
weiter nach. Daraufhin wurde dieses Volk auf eine schreckliche
Weise vernichtet.
Die Stadt, in der Lot gelebt hat, wird im Alten Testament
als Sodom bezeichnet. Es stellte sich heraus, dass dieses
am Roten Meer angesiedelte Volk gemäß der Quranerzählung
vernichtet wurde. Archäologische Forschungen zeigten, dass
diese Stadt am Toten Meer entlang der palästinensisch-jordanischenGrenze
lag.
Zunächst wollen wir der Frage nachgehen, warum Lots Volk
bestraft wurde. Der Quran berichtet über die Warnung von
Lot und die Antwort seines Volkes:
Das Volk Lots bezichtigte die Gesandten der
Lüge (Damals) als ihr Bruder Lot zu ihnen sprach: "Wollt
ihr denn nicht gottesfürchtig sein? Seht, ich bin euch ein
treuer Gesandter. So fürchtet Allah und gehorcht mir! Und
ich verlange dafür keinen Lohn von euch. Seht, mein Lohn
ist allein beim Herrn der Welten. Nähert ihr euch ausgerechnet
Männern und haltet euch von den Frauen fern, die euer Herr
für euch geschaffen hat? Aber nein! Ihr seid ein hemmungsloses
Volk!" Sie sagten: "Wenn du nicht nachgibst, o
Lot, wirst du bestimmt vertrieben!" Er sprach: "Seht,
ich verabscheue euer Verhalten. (Sure Asch-Schu'ara': 160-168)
Sein Volk hatte Lots Einladung nicht angenommen und ihn
noch dazu bedroht. Das Volk wollte Lot und die Gläubigen
des Landes verweisen, weil er es auf den Weg der Rechtgeleiteten
zu leiten versuchte. In anderen Suren wird über das Ereignis
berichtet:
Und Lot, als er zu seinem Volke sprach: "Wollt
ihr Schändlichkeiten begehen wie kein Geschöpf zuvor? Wahrlich,
ihr kommt mit Sinneslust zu Männern statt zu Frauen! Ja,
ihr seid ein ausschweifendes Volk!" Doch die Antwort
seines Volkes war, lediglich zu sagen: "Treibt sie
aus euerer Stadt hinaus. Das sind fürwahr Leute, die sich
als rein ausgeben." (Sure al-A'raf: 80-82)
Lot lud sein Volk auf den Weg der Rechtgeleiteten ein und
warnte es vor Übeltaten. Doch das Volk hörte nicht auf die
Warnung und leugnete sowohl ihn als auch die angekündigte
Strafe:
Und Lot sprach zu seinem Volk: "Ihr
begeht wirklich Schändlichkei-ten wie niemand zuvor in aller
Welt! Müsst ihr euch Männern nähern auf unnatürlichem Wege
und bei euren Treffen Abscheuliches treiben?" Sein
Volk antwortete lediglich: "Bring uns doch Allahs Strafe
herbei, wenn du die Wahrheit sagst!" (Sure al-'Ankabut:
28-29)
Auf diese Antwort hin bat Lot Allah um Hilfe:
Er sprach: "O mein Herr! Hilf mir gegen
dieses lasterhafte Volk!" (Sure al-'Ankabut: 30)
Mein Herr, rette mich und mein Volk vor ihrem
Tun." (Sure asch-Schu'ara': 169)
Auf die Bitte von Lot schickte Allah ihm zwei Engel im
Männergewand, die zuvor bei Abraham gewesen waren, seiner
alten Frau die frohe Botschaft eines Kindes ankündigten
und ihr hauptsächliches Ziel erläuterten: Das verirrte Volk
Lots sollte vernichtet werden.
Er fragte: "Was ist wohl euer Auftrag,
ihr Sendboten?" Sie sprachen: "Siehe, wir wurden
zu einem sündigen Volk entsandt um Steine aus Ton auf sie
niedergehen zu lassen, gekennzeichnet von deinem Herrn für
die maßlosen Sünder." (Sure adh-Dhariyat: 31-34)
Nur das Haus Lots wollen wir ganz retten,
außer seiner Frau; (von der Allah sagt) "Wir beschlossen
ihr Zaudern." (Sure al-Hidschr: 59-60)
Die von Allah gesandten Engel kamen, nachdem sie Abraham
besucht hatten zu Lot. Lot, der zunächst die Gesandten nicht
erkannte, fürchtete sich. Nachdem er mit ihnen gesprochen
hatte, beruhigte er sich:
Und als Unsere Sendboten zu Lot kamen, geriet
er ihretwegen in Bedrängnis, da er sie nicht beschützen
konnte. Und er sprach: "Dies ist ein böser Tag!"
(Sure Hud: 77)
Bemerkte er: "Ihr seid wohl fremde Leute?"
Sie sprachen: "Nein! Wir kommen zu dir
mit dem, was sie ständig bezweifeln.
Und bringen dir die Wahrheit. Wir sind gewiss
wahrhaftig.
Ziehe nun mit deiner Familie fort, bevor
die Nacht vorüber ist, und gehe hinter ihnen her. Niemand
von euch drehe sich um, sondern geht, wie es euch befohlen
ist!"
Und Wir gaben ihm den Befehl, weil jene am
Morgen mit Stumpf und Stiel ausgemerzt werden sollten. (Sure
al-Hidschr: 62-66)
Währenddessen erfuhr das Volk Lots, dass er Besuch bekommen
hatte. Es schreckte nicht einmal davor zurück, seine perversen
Neigungen auch seinem Besuch anzutragen. Sie umringten das
Haus. Lot, dem die Situation peinlich war, sprach sein Volk
an:
Er sprach: "Seht, dies sind meine Gäste.
Macht mir also keine Schande! Und fürchtet Allah, und macht
mir keine Unehre!" (Sure al-Hidschr: 68-69)
Daraufhin wurde sein Volk zornig gegenüber ihm:
Sie sagten: "Haben wir dir nicht Gäste
– woher auch immer- verboten?" (Sure al-Hidschr: 70)
Lot, der alles versucht hatte, um es davon abzuhalten,
sprach in der Befürchtung man werde ihm und seinen Gästen
Böses antun:
..."Hätte ich doch nur Macht über euch
oder könnte irgendwo starke Unterstützung finden!"
(Sure Hud: 80)
"Die Gäste" erinnerten Lot daran, dass sie gesandt
worden waren und sprachen:
Sie sagten: "0 Lot! Wir sind Sendboten
deines Herrn: Sie können dir nichts anhaben! Doch mache
dich mit deiner Familie auf, solange es noch Nacht ist,
und keiner von euch blicke zurück! Nur deine Frau- sie wird
treffen, was die anderen trifft. Siehe, was ihnen angedroht
ist, (erfüllt sich) am Morgen. Ist der Morgen nicht schon
nahe?" (Sure Hud: 81)
Als die Perversion des Volkes seinen Höhepunkt erreichte,
rettete Allah Lot mit Hilfe der Engel. In der Morgendämmerung
kam dann die von Lot angekündigte Strafe:
Sie verlangten tatsächlich seine Gäste von
ihm. Darum blendeten Wir ihre Augen: "So kostet Meine
Strafe und Meine Warnungen!" Am Morgen, in der Frühe,
erfasste sie fürwahr eine nicht endende Strafe. (Sure al-Qamar:
37-38)
In den Quranversen wird die Vernichtung des Volkes folgendermaßen
erzählt:
Da erfasste sie der Schrei bei Sonnenaufgang.
Und Wir kehrten(in ihrer Stadt) das Oberste zu unterst und
ließen Steine aus gebranntem Ton auf sie niederregnen. Hierin
sind wahrlich Zeichen für die Einsichtigen! Und siehe, sie
lagen an einer Straße, die noch vorhanden ist. (Sure al-Hidschr:
73-76)
Und als Unser Befehl ergangen war, kehrten
Wir in dieser (Stadt) das Oberste zuunterst und ließen auf
sie Backsteine hageldicht niederregnen. Gekennzeichnet von
deinem Herrn. Und sie ist Frevlern niemals fern. (Sure Hud:
82-83)
Dann vertilgten Wir die anderen. Und ließen
auf sie einen (Stein)regen hageln. Und übel fürwahr war
der Regen, der die Gewarnten traf. (Sure asch-Schu'ara':
172-173)
Als das Volk vernichtet wurde, wurden nur Lot und die Gläubigen
gerettet, deren Zahl nicht mehr als ein "Hausvolk"
war. Weil sie nicht unter den Gläubigen war, kam auch Lots
Frau dabei um:
Und Wir retteten ihn und seine Familie, außer
seiner Frau, die zurückblieb. Und Wir ließen einen Regen
auf sie regnen. Sieh nur, wie das Ende der Sünder war! (Sure
al-A'raf: 83-84)
Somit wurde Lot mit seiner Familie und den Gläubigen gerettet.
Das verirrte Volk dagegen wurde vernichtet. |