Sie gleichen dem Volke der Pharaonen
und denen, die vor ihnen waren, welche die Botschaft
ihres Herrn der Lüge ziehen: Da vertilgten Wir sie
für ihre Sünden und ließen das Volk Pharaonen ertrinken,
und alle waren Ungerechte. (Sure al-Anfal: 54)
Die altägyptische Zivilisation gilt zusammen mit den zur
selben Zeit in Mesopotamien gegründeten Städten als eine
der ältesten Zivilisationen der Geschichte und als der bestorganisierte
Staat seiner Zeit. Die Erfindung der Schrift etwa im Jahre
3000 v. Chr. und ihre Anwendung, der Nutzen, den er aus
dem Nil zog und die geographische Struktur des Landes, die
das Volk vor äußeren Angriffen schützte, trugen zur Entwicklung
der ägyptischen Zivilisation bei.
In dieser Zivilisation herrschte jedoch eine Ordnung, in
der die im Quran klar und deutlich als Verleugnungssystem
beschriebene "pharaonische Führung" alles bestimmte.
Sie gaben sich als Mächtige aus, und sie kehrten Allah den
Rücken zu und verleugneten ihn. Am Ende konnten sie weder
ihre fortgeschrittene Zivilisation, ihre soziale und politische
Ordnung, noch ihre militärischen Erfolge vor der Vernichtung
retten.
Die Autorität der Pharaonen
Die ägyptische Zivilisation beruhte auf dem Segen des Nils.
Wegen seiner lebenswichtigen Eigenschaften hatten sich die
Ägypter im Tal um den Nil niedergelassen und mit dem Wasser,
das sie aus dem Fluss bezogen, Landwirtschaft betrieben,
ohne auf die Regenzeit angewiesen zu sein. Der Historiker
Ernst H. Gombrich äußert sich diesbezüglich:
In Afrika ist es heiß. Monatelang
fällt kein Regen. Aus diesem Grund sind mehrere Gegenden
dieses großen Kontinents ausgetrocknet. Diese Teile des
Landes bestehen aus Wüste. Genauso geht es auf der rechten
wie auf der linken Seite Ägyptens zu. In Ägypten regnet
es sehr selten. Jedoch ist man dort auf den Regen nicht
angewiesen, denn der Nil fließt weitgehend durch die Mitte
des Landes.33
Den Nil, der von einer solch großen Bedeutung war, unter
Kontrolle zu halten, hieß auch Kontrolle über die wichtigsten
Handels- und Landwirtschaftsquellen zu gewinnen. Und somit
übten die Pharaonen die Herrschaft über Ägypten aus.
Die schmale und lange Struktur des Tals verhinderte die
weite Ausbreitung der Siedlungsgebiete, die sich um den
Fluss angesammelt hatten; anstelle einer aus mehreren großen
Städten bestehenden Zivilisation hatte sich eine aus kleineren
Landstädten und Dörfern bestehende Zivilisation gebildet.
Auch dieser Faktor befestigte die Herrschaft der Pharaonen
über die Bevölkerung.
König Menes gilt als der erste ägyptische Pharao in der
Geschichte, der etwa 3000 v. Chr. Altägypten unter seiner
Herrschaft zu einem großen einheitlichen Staat vereinigte.
Die Bezeichnung "Pharao" bezog sich anfangs eigentlich
auf den Palast, in dem der ägyptische Pharao lebte, doch
mit der Zeit wurde diese Bezeichnung zum Titel ägyptischer
Könige. So kam es, dass die Könige Altägyptens mit der Zeit
"Pharao" genannt wurden.
 |
Der religiöse Glaube der Ägypter basierte auf dem
Gedanken, ihren Göttern zu dienen. Und die Priester,
die zu den Vorgesetzten gehörten, galten als “Vermittler”
zwischen den Göttern und den Menschen. Die Priester,
die sich nebenbei auch mit Zauberei befassten, bildeten
eine äußerst wichtige Klasse, mit deren Hilfe die
Pharaonen die Bevölkerung einschüchterten. |
In der polytheistischen Religion Altägyptens wurden die
Pharaonen, die Eigentümer, Verwalter und Herrscher des gesamten
Staates und seiner Länder, als Widerspiegelung des größten
Gottes der Welt anerkannt. Die Verwaltung der ägyptischen
Länder, ihre Einteilung, ihr Einkommen, kurz jede Art von
Besitz, Dienstleistung und Produktion innerhalb der Landesgrenzen
wurden im Namen des Pharao erbracht.
Das absolutistische Regime gab dem Pharao die Macht, beliebig
zu befehlen. Schon mit der Gründung der ersten Dynastie,
zur Zeit des Menes, des ersten Königs Ägyptens, begann man,
Wasser aus dem Nil durch Kanäle zur Bevölkerung zu transportieren.
Außerdem wurde die Produktion unter Kontrolle gehalten,
wodurch der König das Eigentumsrecht über jegliche Waren
und Dienstleistungen ausübte. Der König verteilte diese
Waren und Dienste proportional; jeder bekam nur soviel,
wie viel er benötigte. So fiel es den Königen nicht schwer,
über die Bevölkerung zu bestimmen. Der ägyptische Pharao
wurde als eine äußerst mächtige heilige Existenz gepriesen,
der die Bedürfnisse seines Volkes befriedigte; so wurde
er zum Gott ernannt. Mit der Zeit haben auch die Pharaonen
selbst fest daran geglaubt, dass sie seien Gott.
Manche Aussagen des Pharao, die während seiner Gespräche
mit Moses auftauchen, wovon uns der Quran erzählt, sind
der beste Beweis für diesen Glauben und der Grund, warum
er Moses wie folgt bedrohte: Er sagte: Wenn du
einen anderen Gott als mich annimmst, sperre ich dich bestimmt
ein! (Sure asch-Schu'ara': 29) oder warum er seinem
engsten Kreis mitteilte: Und Pharao sprach: "O ihr
Anführer! Ich kenne keinen anderen Gott für euch als mich.
So brenne mir Tonziegel, o Haman, und mache mir einen Turm,
damit ich zum Gott Moses emporsteige. Ich halte ihn allerdings
für einen Lügner." (Sure al-Qasas: 38) Hier wird
eindeutig sein fester Glaube sichtbar, tatsächlich Gott
zu sein.
Religiöser Glaube
Der Historiker Heredot ist der Meinung, dass die Altägypter
die frommsten Menschen der Welt seien. Ihre Religion beruhte
jedoch nicht auf dem wahren Gottesglauben, sondern auf einem
Polytheismus, den sie wegen ihres starken Konservatismus'
einfach nicht aufgeben konnten.
Das
altägyptische Volk war sehr stark von den natürlichen Faktoren
ihrer Umwelt beeinflusst. Die geographische Struktur Ägyptens
sicherte den Staat perfekt vor externen Angriffen. Ägypten
war von allen Seiten mit Wüsten, bergigem Gelände und Meeren
umgeben. Das Land konnte nur an zwei Stellen angegriffen
werden; diese Wege zu verteidigen, fiel dem ägyptischen
Heer jedoch nicht schwer. Somit blieben die Ägypter mit
Hilfe dieser natürlichen Faktoren von anderen Staaten isoliert.
Mit den fortschreitenden Jahrhunderten jedoch bewirkte diese
Isolation einen starken Fanatismus. So vertraten die Ägypter
einen Standpunkt, der neuen Entwicklungen und Reformen die
Türen verschloss und ihnen eine extrem konservative religiöse
Erscheinung verlieh. Die "Religion ihrer Vorfahren",
die auch im Quran häufig erwähnt wird, wurde zu ihrem höchsten
Wert. Deshalb wandten sich der Pharao und sein engster Kreis
von Moses und Aaron ab, als diese ihnen den wahren Gottesglauben
verkündeten:
Sie fragten: "Bist du zu uns gekommen,
um uns von dem abwendig zu machen, was wir bei unseren Vätern
vorfanden, damit ihr beide die Macht im Lande übernehmt?
Wir glauben euch nicht!" (Sure Yunus: 78)
Die Religion in Altägypten bestand aus mehreren Zweigen.
Die wichtigsten unter ihnen waren die offizielle Religion
des Staates, der Glaube des Volkes und der Glaube an ein
Leben nach dem Tod.
In Bezug auf die offizielle Religion des Staates galt der
Pharao als ein heiliges Wesen. Er war eine Widerspiegelung
der Götter des Volkes auf der Welt und seine Aufgabe bestand
darin, den Menschen auf der Welt Gerechtigkeit zukommen
zu lassen und sie zu beschützen.
Im Volk gab es keinen einheitlichen Glauben und jeder Glaube,
der der offiziellen Religion des Staates widersprach, wurde
von der Regierung des Pharao unterdrückt. Hauptsächlich
glaubten sie an mehrere Götter, welche gewöhnlich als Menschengestalt
mit einem Tierkopf dargestellt wurden. Jedoch traf man auch
in verschiedenen Regionen auf örtliche Traditionen.
Das
Leben nach dem Tod bildete den wichtigsten Teil des Glaubens
in Ägypten. Man glaubte, dass die Seele auch nach dem Tod
des Körpers weiterlebe. Demzufolge wurde die Seele des Verstorbenen
von beauftragten Engeln vor den Gott geführt, welcher als
Richter galt und vor zweiundvierzig andere Richter, die
als Zeugen mitanwesend waren; eine Waage wurde in die Mitte
gestellt und das Herz der Seele wurde mit dieser Waage gewogen.
Diejenigen, die mehr gute als schlechte Taten vollbracht
hatten, zogen an einen himmlischen Ort, wo sie glücklich
weiterlebten; diejenigen, die mehr Schlechtes als Gutes
angerichtet hatten, zogen an einen Ort, an dem sie grausame
Qualen erwarteten. Hier wurden sie von einem sonderbaren
Geschöpf, dem "Totenfresser" unendlich gequält.
Dieser Glaube der Ägypter bezüglich des Jenseits zeigt
eine unübersehbare Parallelität zum monotheistischen Glauben.
Allein der Glaube an das Jenseits ist schon Beweis dafür,
dass der wahre Gottesglaube und seine Verkündung auch die
altägyptische Zivilisation erreicht hatten, doch das diese
Religion im nachhinein degenerierte und dass der Monotheismus
sich mit dieser Degeneration in einen Polytheismus umgewandelt
hatte. So ist denn auch zu erklären, dass manche Gesandte
von Zeit zu Zeit auch nach Altägypten geschickt worden sind,
die den Menschen die Einheit Allahs predigten und sie dazu
aufforderten, sich Ihm zu unterwerfen. Einer dieser Gesandten
war der Prophet Joseph (Yusuf), von dessen Leben im Quran
detailliert erzählt wird. Seine Geschichte ist von großer
Bedeutung, denn sie beinhaltet auch die Ankunft der Kinder
Israels in Ägypten und den Beginn ihrer Ansiedlung.
Außerdem wird in historischen Dokumenten über manche Ägypter
berichtet, die schon vor dem Propheten Moses das Volk zu
monotheistischen Religionen aufforderten. Einer von ihnen
ist Neferkheperure Amenhotep, also Amenofis IV, der interessanteste
Pharao in der Geschichte Ägyptens.
Der monotheistische Pharao Amenofis IV.
Die ägyptischen Pharaonen waren meistens brutale, gewalttätige,
kriegerische Menschen, die Druck auf das Volk ausübten und
kein Mitleid mit ihm hatten. Wie gewöhnlich nahmen auch
sie die polytheistische Religion Ägyptens an und vergötterten
sich somit durch diese Religion.
Doch es gibt in der Geschichte Ägyptens einen Pharao, der
den anderen nicht glich. Dieser Pharao verteidigte den Glauben
an einen einzigen Schöpfer und aus diesem Grund übten die
Priester von Ammon mit einigen sie unterstützenden Soldaten
großen Druck auf ihn aus, und er wurde schließlich umgebracht.
Dieser Pharao hieß Amenofis IV und herrschte im vierzehnten
Jahrhundert v. Chr.
Als Amenofis IV 1375 v. Chr. den Thron bestieg, wurde er
mit einem Konservatismus und einer Traditionalität konfrontiert,
die sich immerhin schon seit Jahrzehnten fortsetzte. Bis
zu diesem Zeitpunkt hatten die Struktur der Gesellschaft
und die Beziehungen der Bevölkerung zum königlichen Palast
ohne jegliche Veränderungen fortbestanden. Die Gesellschaft
hatte sich nämlich definitiv von jeglichen externen Begebenheiten
und religiösen Neuheiten isoliert. Dieser extreme Konservativismus,
welcher auch von antiken griechischen Nomaden getragen wurde,
beruhte wie schon betont, auf den natürlich-geographischen
Bedingungen Ägyptens.
Die offizielle Religion, die die Pharaonen der Gesellschaft
aufzuzwingen versuchten, setzte einen bedingungslosen Glauben
an alles Alte und Traditionelle voraus. Amenofis IV jedoch
nahm diese offizielle Religion nicht an. Der Historiker
Ernst Gombrich schreibt:
Er (Amenofis IV.) schaffte
mehrere Bräuche ab, die von einer alten Tradition heilig
gepriesen wurden. Er wehrte sich dagegen, die unzähligen,
sonderbaren Götter seines Volkes zu ehren. Für ihn gab es
nur einen einzigen allmächtigen Gott, und dieser hieß Aton.
Er ehrte Aton und repräsentierte ihn in einer Form als Sonne.
Er verlegte seinen Palast an einen Ort, der heute El-Amarna
genannt wird, um dem Einfluss der Priester anderer Götter
zu entkommen.34
Nach dem Tod seines Vaters wurde der junge Amenofis IV
ziemlich unterdrückt. Der Grund war die Tatsache, dass Amenofis
eine monotheistische Religion einzuführen versuchte, indem
er die traditionelle polytheistische Religion Ägyptens radikal
zu verändern suchte. Die Vorgesetzten Thebes jedoch erlaubten
ihm die Verkündung einer derartigen Religion nicht. So kam
es, dass Amenofis IV. und sein Volk die Stadt Thebes verließen
und nach Tell El-Amarna zogen. Hier gründeten sie eine neue
und recht moderne Stadt mit dem Namen "Akh-en-aton".
Amenofis IV. wechselte seinen Namen mit der Bedeutung "die
Zufriedenheit des Amon" zu "Akh-en-aton",
mit der Bedeutung "sich Aton unterwerfen" hieß.
Amon war der Name, der im ägyptischem Polytheismus dem größten
Totem verliehen wurde. Für Amenofis IV war jedoch Aton der
Schöpfer des Himmels und der Erde, wobei er hiermit höchstwahrscheinlich
"Allah" meinte.
Den Priestern von Amon gefielen diese Geschehnisse überhaupt
nicht, und so versuchten sie, Akhenaton's Macht an sich
zu reißen, indem sie die wirtschaftliche Krise, in der sich
das Land zu der Zeit befand, ausnutzten. Deshalb wurde Akhenaton
von Verschwörern vergiftet. Die auf ihn folgenden Pharaonen
blieben fortan stets unter dem Einfluss der Priester.
Nach Akhenaton bestiegen Pharaonen mit
militärischem Hintergrund den Thron und bemühten sich eifrig
um die Verbreitung der alten traditionellen polytheistischen
Religion. Sie leisteten fürwahr einen bemerkenswerten Beitrag
für die Rückkehr in die Vergangenheit. Etwa ein Jahrhundert
später bestieg Ramses II, der am längsten herrschende Pharao
in der Geschichte Ägyptens, den Thron. Nach Angaben mehrerer
Historiker gilt Ramses II als der Pharao, der die Kinder
Israels zu quälen pflegte und der gegen Moses ankämpfte.35
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ANMERKUNGEN
(33)
Ernst H. Gombrich, Eine Kurze Weltgeschichte Für Junge Leser,
Dumont Buchverlag, Köln, 1985, Istanbul, Inkilap Yayýnevi,
1997, S. 25
(34)
Ernst H. Gombrich, The Story of Art, London MCML, The Phaidon
Press Limited, S. 42
(35)
Eli Barnavi, Historical Atlas of The Jewish People, London,
Hutchinson, 1992, S. 4; "Egypt", Encyclopedia
Judaica, Bd. 6, S. 481 et "The Exodus and Wanderings
in Sinaï", Bd. 8, S. 575; Le Monde de la Bible, Nr.
83, juillet-août 1983, S. 50; Le Monde de la Bible, Nr.
102, Januar-Febuar 1997, S. 29-32; Edward F. Wente, The
Oriental Institute News and Notes, Nr. 144, Hiver 1995;
Jacques Legrand, Chronicle of the World, Paris, Longman
Chronicle, SA International Publishing, 1989, S. 68; David
Ben Gourion, A Historical Atlas Of The Jewish People, New
York, A Windfall Book, 1974, S. 32
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